
Morihei Ueshiba (1883-1969)
Aikido
wird ebenso wie Kendo, Judo und Karate zu den japanischen Kampfkünsten gezählt. Der Sammelbegriff dafür heißt im Japanischen BUDO. Aikido ist die jüngste Disziplin und wurde von Morihei Ueshiba (1883 bis 1969) entwickelt. Ueshiba war ein anerkannter Meister in Japan, und sein Budo orientiert sich am harmonischen Miteinander. Das heißt, im Aikido gibt es im Gegensatz zu den anderen genannten Disziplinen keine Wettkämpfe, keine Sieger, keine Preise.... Deshalb tue ich mich schwer, Aikido als Wettkampfsport zu bezeichnen. Es geht nicht darum stärker oder besser zu sein als andere; Ziel ist es, sich im Einklang mit sich und der Umwelt zu bewegen. Von möglichen "Angreifern" muss diese Harmonie nicht gestört werden, wir können lernen, ihre Bewegung ganz einfach zu assimilieren.
Aber da war doch noch was? …Bewegung mit Geist und so?!
In unserem Sprachraum braucht jede körperliche Betätigung einen geistigen Hintergrund. Deshalb habe ich versucht, meine Erfahrungen der letzten Jahre, in ein paar Artikeln zusammen zu fassen. Über jeden Aufsatz könnte man ein Buch schreiben und ich empfehle dem aufmerksamen Leser ein regelmäßiges Üben. Dem Kampfsportler, oder dem Selbstverteidigungsaktivisten empfehle ich das Literaturverzeichnis auf meiner Homepage unter www.aikidozentrum.de. Viel Spaß dabei.
Über die Kopfarbeit (1)
Jeder von uns hat seine Sorgen und ist vertraut mit dem permanenten Strom der Gedanken, den die Notwendigkeit, unser Leben in der Gesellschaft zu organisieren, erzeugt. Wie bekomme ich genug Geld? Was mache ich mit den Kindern? Wohin geht die Urlaubsreise? Was mache ich am Wochenende? Usw...usw.
Unsere Vorfahren mußten sich diesbezüglich weniger Gedanken machen. Sie bezogen ihre Lebensklarheit aus Sachzwängen und den Traditionen des Kollektivs. Die Möglichkeiten zu individueller Lebensgestaltung sind in unserer Zeit zwar größer geworden, angesichts des schnellen Wandels der Lebensbedingungen, der unübersehbaren Vielfalt von Entscheidungsalternativen und dem größeren Geflecht von Abhänigkeiten aber auch schwieriger, manchmal sogar bedrückend. So müssen wir einengroßen Teil unseres Bewußtseins in das Vorausdenken investieren. Für die Gegenwart, für das tatsächliche Leben, verbleibt nur noch ein geringer Rest an geistiger Zugewandtheit. Es gibt Zeiten, in denen wir uns nichts anderes wünschen, als ausschließlich dem Augenblick zugetan zu sein. Problematisch ist, wenn es uns nicht mehr gelingt dies zu erreichen.
Wir können nicht mehr "abschalten".
Abschalten meint zumeist, sich entweder aktiv, durch einen einfachen Willensakt, oder passiv, durch eine in Anspruch genommene Form der Therapie, vom Summen der Gedanken frei zu machen. Selbst dafür haben wir diverse Technken entwickelt.
Beim Aikido ist das anders. Hier räumen wir die an der Zukunft oder der Vergangenheit orientierten Gedanken durch körperliche Arbeit und entspannte Bewegung im rechten Augenblick beiseite. Wir trocknen den unerwünschten Gedankenstrom nach und nach aus, ohne das Gehirn, bzw, unser Denken ab- oder auszuschalten.
Beim aufmerksamen Spiel des Werfens und Geworfen- werdens, des Bewegens und Bewegtseins, muß unser Geist sehr intensiv arbeiten. Doch dieses Denken ist im Gegensatz zur abstrakten Gedankentätigkeit des Alltags, ein instinktnaher und ganz und gar sinnes- und körperbezogener Intelligenzprozeß. Das augenblickliche koordinieren von Sinneseindrücken und Bewegungsvorgängen wird zur wichtigsten Leistung unseres Kopfes. Bei gutem Aikido ist die "kongrete" Intelligenz gefordert. Natürliche Bewegung kann man sich vorher nicht ausdenken, sonst ist man immer zu Spät.
So befreit Aikido von der Bürde des Denkens, ohne unser Gehirn außer Kraft zu setzen. Es wird nur eine andere Art von Denktätigkeit, eine viel elementarere, aktuell, die sich weitgehend außerhalb unseres Bewußtseins abspielt und die- dies ist in dem vorliegenden Zusammenhang das Entschedende- als Wohltat und nicht als Last empfunden wird.
Zitate
Aiki is not a technique to fight with or defeat the enemy. It is the way to reconcile the world and make human beings one family.
True budo is to be one with the universe, that is to be united with the Center of the universe.
To compete in techniques, winning and losing, is not true budo. True budo knows no defeat. "Never defeated" means "never fighting".
Morihei Ueshiba
Über meine Aikidoschule
Oft werde ich am Telefon gefragt: Machen sie in ihrem Sportstudio auch Fitness und welche Geräte haben sie? Es tut mir leid, ich habe kein Sportstudio, keine Geräte, kein Fitness und keine Sauna, geschweige denn eine Protein Bar. Bei mir gibt es eine Übungsmatte, zwei Umkleideräume, eine Dusche und fürs Kindertraining ein paar Springseile. Ansonsten ist der Übungspartner ihr wertvollstes „Trainingsgerät“.
Jeder kann sich in Aikido üben, unabhängig von seinem Alter und Geschlecht. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen wäre wünschenswert. Zum Kennen lernen und zu kostenlosem Probetraining stehen die Räume für jeden offen. Anfänger sind herzlich willkommen, schließlich hat jeder Meister einmal angefangen.
Was veranlasst Menschen, neben ihrer täglichen Arbeit, vollkommen "nutzlose" Dinge zu tun? Mit doppelter und dreifacher Intensität vergeuden sie Geld und Freizeit für Sachen, die in dieser Gesellschaft überhaupt keinen sichtbaren Nutzen bringen. Leiden wir an einem Mangel, oder bereichern wir uns?
Training für Körper und Geist
„ Im Sportstudio kann ich zu jeder Tages und Nachtzeit üben! Dazu bin ich unabhängig von Wind und Wetter und auf dem Laufband werde ich über keine Wurzeln stolpern, oder mich auf vereisten Wegen verletzen.“
Dummerweise steckt in diesem Satz das ganze Dilemma. Auf einem Hometrainer wird Radfahren zu einer physikalischen Übung reduziert. Gleichgewicht halten, Straßenbahnschienen oder einem Stein ausweichen, den eigene Körperrhythmus dem Gelände anpassen, sind enorme Aufgaben für unser Gehirn und erfordern für einen Roboter eine Rechenleistung, wie sie zur Zeit noch von keiner Maschine zu bewältigen ist. Auch unser Gehirn muss diese Leistung erbringen, sie passiert meist im Unterbewussten und wird, im Gegensatz zur abstrakten Gedankentätigkeit des Alltags, vom Körper als Wohltat und nicht als Last empfunden. Auf einem Laufband nehme ich der Bewegung alles, was bei einem Spaziergang meinen Geist erfrischt und die Seele beruhigt.
Mit der Koordinierung von Sinneseindrücken und der Orientierung im Raum ist unser Geist enorm gefordert. „Kinder die nicht rückwärts gehen, können nicht rechnen!“ Wer sich mit dem Körper im Raum orientieren kann, kann sich auch in der abstrakten Zahlenebene rauf und runter, vor und zurück bewegen.
Auch Erwachsene sollten die bloße körperliche Bewegung nicht zu gering schätzen.
Sport ist nicht alles
natürliche Bewegung haben alle drin, z.B. auf neudeutsch, im Anti-Aging. Es gibt junge und alte 60 Jährige. Alt ist und immer älter wird der, der seinen Alltag routinemäßig gestaltet und nicht mehr bereit ist, seinem Gehirn neue Bewegungsmuster ab zu verlangen. Diese Faulheit nimmt mit dem Alter leider zu. Auch das Gehirn eines Mathematik-professors wird alt, wenn seine anspruchsvolle Vorlesung zur Routine wird. Bin ich bereit, immer neue Denkmuster anzulegen, dann erhalte ich meine geistige Frische bis ins hohe Alter (was einem Mathematiker sicher leichter fällt als einem Fließbandarbeiter). Neueste Forschungen zeigen: Dabei ist es zweitrangig, wie viel Sport habe ich im Leben betrieben, wie viel habe ich geraucht, gesoffen oder Sex gehabt. Oft wird älteren Menschen empfohlen eine neue Sprache zu lernen. Der Alterungsprozess läst sich damit nicht stoppen, aber verzögern.
Die Liste der Anti-Aging-Methoden ist lang. Mediziner wollen den Alterungsprozess aufhalten und Hormone verkaufen. (Im Angebot sind z.B. das Melatonin, ein Hormon das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert, oder das DHEA, ein Prohormon des Testosteron, das die Muskeln stärkt und die Haut glättet.) Als Anti-Aging-Verfahren ist nichts wissenschaftlich erwiesen. Ebenso ist die Frischzellen-therapie höchst umstritten, geradezu in Verruf geraten.
Fakten für Langlebigkeit sind: Eine ausgewogene Ernährung, eine gute Bildung und viele soziale Kontakte. Ein gutes, nachgewiesenes Rezept, das alle drin haben, wäre Sport in natürlicher Bewegung. Dann bitte keine eindimensionalen, von Maschinen geführte Formen, in endlosen Wieder-holungen. Lieber Federball, wer Spaß daran hat. Als Bewegungsmensch kann ich mich ebenso für Fußball, oder Tanzen begeistern. Verliebt bin ich in die Disziplin Aikido und möchte sie, hoffentlich nicht krampfhaft, jedem nahe bringen. Es ist der Spaß, immer mit Menschen zu arbeiten, jede Bewegung wird links- und rechtsseitig ausgeführt. Hinsetzen, wieder aufstehen, Körperdrehungen und Purzelbäume sind Bewegungsmuster, die wir nicht routinemäßig abspeichern können, aber immer neu erschaffen müssen.

3-D Laternen Yamaguchi
- (1) Ulrich Aufmuth
Psyccologie des Bergsteigens
Man kann Bergsteigen wegnehmen, und Aikido oder Tango einsetzen. Ein tolles Buch
- Kisshomaru Uyeshiba
Aikido
ISBN 0-87040-268-4
- Christian Tissier
Aikido Fondamental
ISBN 2-901551-10-6
- A. Westbrook & O. Ratti
Aikido And The Dynamic Sphere
ISBN 0-8048-0004-9
- A. Westbrook & O. Ratti
Secrets Of The Samurai
ISBN 0-8048-0917-8
- Rudolf Brand
Aikido
ISBN 3-8068-0537-7
- Eugen Hölzel
Aikido-Fibel
ISBN 3-87892-022-9
- Das Aikido-Brevier
ISBN 3-87892-045-8
- Koichi Tohei
Das Ki-Buch
ISBN 3-921508-13-4
- Koichi Tohei
Ki im täglichen Leben
ISBN 3-921508-14-2
- Eugen Herrigel
Der Zen-Weg
- Eugen Herrigel
Zen in der Kunst des Bogenschießens
- Karlfried Graf Dürckheim
Hara
- Rudolf zur Lippe
Am eignen Leibe
ISBN 3-8108-0070-8
- Yoshi Oida
Der unsichtbare Schauspieler
ISBN 3-89581-035-5
Warum Aikido und nicht Fußball
Körperliche und geistige Ertüchtigung, Koordination, Gleichgewicht und Orientierung, lässt sich praktisch mit jeder Sportart trainieren. Wo liegt nun der Unterschied zum Aikido, oder dem erweiterten Begriff, dem Budo?
Hierzu sollten wir etwas tiefer in die asiatische Denkweise einsteigen, was sich leider nicht mit ein paar Zeilen abhandeln lässt. Wer sich im traditionellen Asien einer Kunst verschrieben hat, der übt immer an seiner Mitte, dem Hara. Ein Mensch, der seine Mitte gefunden hat, hat einen entspannten Körper. Das Ki, die Lebensenergie, kann dadurch frei fließen und er ist zu erstaunlichen geistigen und körperlichen Leistungen fähig. Einen gesunden, starken Körper, ein paar effektive Selbstverteidigungstechniken nimmt er auf seinem Weg gern mit.
Im westlichen Denken ist unser Tun hauptsächlich am Ergebnis orientiert. Wir streben nach Sieg, nach Stärke und Schönheit und wer im Sport Punkte sammelt, kann auf Umwegen mit Anerkennung und gewonnenem Selbstver-trauen rechnen. Die über 30 Jährigen haben es da schon schwerer. Aber wer Budo übt, übt direkt an seiner Seele, sagt Ueshiba, der Begründer des Aikido.
Es liegt an unserer Zeit, auch im modernen Asien, wenn alle nur nach dem Ergebnis trachten. Die Blüte zählt mehr als die Frucht. Ein seltsamer Schönheitswahn verlagert, mit übertriebener Muskelmassen im Oberkörper, den Schwerpunkt. Was zu einem Verlust an Beweglichkeit und Gleichgewicht führt. Dieses Denken spiegelt sich in allen Lebenslagen wieder. Es stimmt nicht mehr und es lohnt sich darüber nachzudenken.
Ich bin überzeugt: An einer stabile Mitte, kann man nur im Dojo und nicht im Sportverein üben.
Aikido als Realitätsbewältigung (1)
Können wir im Dojo auch unsere gesellschaftliche und individuelle Realität verändern? Ich meine , dass der Sport oder die Hobby`s überwiegend vom Leistungsdenken und blindem Aktionismus geprägt sind. Sie helfen uns zwar hervorragend über die Bedrückungen, an denen wir chronisch leiden , hinweg, an den Quellen unserer Schmerzen ändern sie nichts.
Schwitzend gelangen wir kurzfristig zu einer Leistungszufriedenheit, unsere radikale Leistungsbedürftigkeit wird indessen nicht gemildert.
Zwar sollte man die "bloß" lindernde Funktion der körperlichen Betätigung auf keinen Fall gering achten. Ein gutes Schmerzmittel ist viel Wert, eine Erlösung auf Stunden unendlich besser, als gar keine Erlösung.
Trotzdem ist die Frage legitim, ob man aus dem Dojo im Hinblick auf seinen seelischen Nutzen mehr machen kann. Liegt im Aikido auch die Möglichkeit zu einer echten Klärung und Veränderung des Ich? Diese Möglichkeit ist gegeben, sogar in einem hohen Maße. Nur bedarf es dazu einiger Voraussetzungen, die wir in der Regel nicht mitbringen. Es geht um den Impuls Fragen zu stellen, wie diese:
Wovor will ich mich schützen? Warum brauche ich Selbstverteidigung oder Kampfsport? Was gibt es mir Positives?
Innere Dialoge dieser Art waren noch niemals Vorlieben und Stärken von "Kämpfernaturen". Prinzipiell bildet Aikido, in all den Fällen, wo es hohen Stellenwert besitzt, einen hervorragenden Ansatzpunkt zur Begegnung mit den verborgenen, und das heißt zumeist mit den schmerzlichen Seiten des eigenen Ich. Zugleich ist es ein Mittel, das sich zur Ausschaltung tieferer Selbstbegegnung eignet. Aikido- ein Weg, man kann ebenso gut von sich weglaufen, wie man zu sich hinfinden kann. Aber da ist noch das Dojo und die Auseinandersetzung mit dem Lehrer. Am Ende kann es jeder selbst ausprobieren. Ich bin für jede Frage dankbar.